Living on the edge

Wenn mir jemand vor etwa 10 bis 15 Jahren gesagt hätte, dass ich mal quasi darum betteln werde dass es endlich mal regnet, den hätte ich wahrscheinlich schallend ausgelacht.
Vor einem Jahr ging das Theater hier los. Vor einem Jahr war schon klar, dass der Wasserstand unserer Stauseen so niedrig war wie nie zuvor. Dann kam unser Winter. Kühl aber dezent zu sonnig und trocken. Und jetzt stehen wir da. 90 Tage haben wir laut der Stadt Kapstadt noch, bevor angeblich das Wasser ganz abgedreht wird. 90 Tage bis zu einer angeblichen Katastrophe. Die social media Kanäle drehen seit mehreren Wochen schon total durch. Man sieht lange Schlangen, Behilfseinrichtungen an denen angeblich wir bald stehen und lange Artikel darüber wie das Militär uns das Wasser ab Ende April zuweisen wird wenn wir nicht sofort anfangen zu sparen.
Wie kostbar Wasser eigentlich ist, ist uns gut behütet Europäern glaub ich überhaupt nicht klar. Als ich letztes Jahr im Spätsommer mal wieder zu hause war wurde ich direkt zurecht gewiesen warum ich nicht spüle auf der Toilette und nach etwa 10 min ausgiebiger Dusche war mein schlechtes gewissen zu gross ums nicht doch endlich abzudrehen. Das Wasser.
Die Wasserknappheit ist seit Monaten hier das Gesprächsthema Nr 1. Es wird gefachsimpelt. Die schuld wird abwechselnd der Politik und Constantia (dem Reichen viertel hier) und auch ab und an den famern gegeben. Wer hat denn jetzt eigentlich nun Schuld? Und das Problem ist, wenn wir den Schuldigen gefunden haben, was hilft uns das dann?
Ich glaube, wir sollten jeder bei uns selber anfangen, ein bisschen die Schuld zu suchen. Denn auch nur wir können es ändern, unser Verhalten. Lasst ihr beim Zähneputzen auch immer das Wasser an? Wascht ihr euer Geschirr unter laufenden Wasser? Spült ihr bei jeder Kleinigkeit die Toilette? Euer Lieblingsshirt ist dreckig und ihr schmeisst nur dafür die Waschmaschine an? Und wie sieht es eigentlich aus mit Wasser abdrehen während ihr euch die Beine rasiert. Oder die Haare einseift.
Man fängt erst an, so richtig darüber nachzudenken, wie viel Wasser mein eigentlich verbraucht, wenn einem ernsthaft angedroht wird, dass es abgestellt wird.
Wo wasch ich mir denn ab Ende April die Haare? Und die Wäsche? Das beste ist dann ja auch, dass es wieder Winter ist. Dann hab ich nicht nur das Problem mit der Dusche, sondern auch noch mit der Wärme des Wassers. Letztes Jahr im Mai war ich bei Afrika burn und habe das erste mal so richtig mitbekommen, wie viel Wasser ein Mensch verbraucht, weil wir alles mitschleppen mussten. Das heisst für uns 5l Wasser pro Person und pro Tag. Das ganze dann mal 6 Tage und wir waren zu viert. Und dann sollte ja auch noch unser Gepäck und das Essen mit 😀 .
Ich werde mein Lebtag nicht verstehen, wie es dazu kommen konnte. Kapstadt ist umgeben von Meer und Stauseen. Es war in den letzten 10 Jahren einfach niemandem klar in diesem Land, dass es mal mit dem Wasser knapp werden könnte und was man dann so machen kann?? Und es hat sich nie jemand mal überlegt, dass wir hier in einer Halbwüste leben, welche an eine richtige Wüste grennt (Namibia) und das trinkbare Wasser eventuell wohl auch mal knapp werden könnte?
Diese ganze Krise ist zudem auch noch extrem widersprüchlich. Ich zum Beispiel gehe jede Woche zwei mal schwimmen. Im glasklaren Wasser meines Fitnessstudios. Vor ein paar Monaten war ich zur Entspannung in einem der teuersten hotels in Kapstadt – eins meiner Geburtstagsgeschenke – und lag dann da… In dem super warmen Privatpool neben dem eine Eismaschine stand, neben der ein Dampfbad auf mich wartete. Darf man das?!
Während andere in dieser Stadt also zusehen, dass sie kaum noch unnötig Wasser verbrauchten schlürfte ich ein Minzwasser und sass im whirlpool und schämte mich ein wenig, dass ich es auch noch genoss da zu sitzen.
Wie geht es weiter? Noch ist das Wasser ja nicht weg. Wir sind mittlerweile alle recht achtsam in meiner näheren Umgebung und wir warten alle weiter brav ab. Jetzt panisch werden bringt eh nichts, vor allem weil jeden tag eine eue Nachricht kommt. Erst war der Tag 0 am 29.Apr, dann im märz, jetzt am 22. Erst wurde gesagt, es gibt für niemanden Wasser. Nun gibt es aber schon Aussagen, dass vielleicht doch noch ein bisschen mehr Wasser als prophezeit da ist aber so richtig wissen tut es eigentlich niemand. Es hängt alles davon ab ob es regnet und wieviel wir sparen. Angeblich.
Ausserdem ist es doch auch mal ganz erlebnisreich – so eine Wasserknappheit. Mir war schon fast langweilig in dieser Stadt. Ewig konnte ich keine Schauergeschichten mehr Posten. Bald habt ihr mich als Auslandsreporterin live dabei!
Wir haben schon die Situation belächelt, dass wir alle bei dem einen freund duschen gehen, der beim Krankenhaus wohnt oder seinen eigenen Brunnen hat. Seid also gespannt wie es weitergeht. Ich bin es auch. Falls jemand mir ein bisschen Regen aus Norddeutschland senden kann wäre das unglaublich schön. Hamburger Schietwetter ist hier gerne gesehen!
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