Ten years.

Ich fühle mich diesen Monat furchtbar alt. ich weiß leider noch, als wäre es gestern gewesen, wie ich meinen Abschied feierte und zusammen mit zwei Jungen Herren im Flugzeug soviel Wein trank bis ich Flugangst und allgemeine Zukunftsangst ueberwunden hatte. Es ist diesen Monat 10 ganze Jahre her, dass ich das Elternhaus und mein gewohntes Umfeld verließ und die Welt zu meiner Heimat machte.

In den 20gern geht es noch. Da kann man sich nicht haarklein genau daran erinnern, was man jeweils vor 10 Jahren gemacht hatte, weil man einfach noch zu jung war um sich zu erinnern. Nun, seit etwa zwei Jahren mache ich aber erschreckende Bekanntschaft mit dem Bereich Langzeitgedächtnis, welches Erinnerungen hervorrufen kann als wäre es gestern gewesen.

Australien war meine Einstiegsdroge. Ich habe innerhalb von einem Jahr komprimiert alles gelernt, was andere in der gesamten ersten Hälfte ihres Erwachsenendaseins erst mitkriegen. Ich bin stolz darauf muss ich sagen. Falls ich je Kinder haben werde, werden die definitiv ebenfalls aus dem Nest geschmissen nach dem Abi und zwar auch gleich direkt aus dem Land.

Die Zeit in Australien veränderte mich. Ich wurde innerhalb kürzester Zeit mutiger, entscheidungsfreudiger, dankbarer, allgemein glücklicher aber auch realistischer. Gleich am Anfang in Australien schmiss ich meine gesamte Planung über Bord und machte genau das, was ich nie zuvor geplant hatte. Ich lebte. Ohne Plan, und mit einzigem Ziel so weit wie möglich in Australien einzutauchen.

Es gab auch frustrierende Momente. Mein Autounfall und mein Pech mit Arbeitsstellen. Das härtete aber nur noch mehr ab. Ich arbeitete, trank, gab Geld aus und postete alles fröhlich auf meinem erstem, sehr jungfräulichen Blog.

Viele der Freunde, die ich in Australien kennen gelernt habe, kann ich immer noch zu meinen Freunden zählen. Nur meine Tina verstarb leider vor einigen Jahren bei einem Unfall und die Erinnerungen an die Zeit mit ihr sind seither noch sehr viel bildlicher in meinem Gedächtnis abgespeichert – ein bisschen bunter als der Rest.

Abschied nehmen ist der einzige wirklich große Nachteil beim Reisen und es ist auch der Teil, der an mir zehrt. Andauernd verabschiedet man sich von allen die einem lieb sind – ob erst seit kurzem oder schon länger. Man taucht in viel kürzeren Abständen in neue Lebensabschnitte ein, als wenn man die gesamte Zeit nur an einem Ort leben. Immer wieder kommen neue liebe Menschen hinzu und heimlich verschwinden andere aus deinem Leben. Was bleibt sind Erinnerungen über Erinnerungen sowie all die Freunde, mit denen man mehr als nur eine Autofahr verbracht hat. Freunde, die weiterhin einen begleiten im neuen Abschnitt, im neuen Land, in einer neuen Stadt oder im neuen Job. Sie sind zusammen mit der Familie die einzige Konstante in meinem Leben. Während alles vergänglich ist im Leben eines ewig Reisenden, sind die Freunde und die Familie die einzigen die immer noch da sind. Egal wie schlimm der Fall war, egal wie drastisch der Neustart. Dieser Punkt bringt mich direkt zum nächsten Thema: Dankbarkeit.

Ich kann mich nicht erinnern, vor meinem Start der langen langen Reise je so dankbar gewesen zu sein, wie ich in den letzten Jahren – eigentlich seit Australien und meinem Autounfall bin.

Ich lag inmitten eines gigantischen Sternenhimmels genau in der Mitte von Australien beim Ayers Rock und konnte mein Glück nicht fassen.

Ich sah Tatort, verbrachte lange Sushi Abende und viel Zeit mit Leuten, die ich heute noch enge Freunde nennen darf.

Ich aß Abendbrot mit Blick auf zwei Rhino Babys,eng bewacht von den Müttern.

Ich stand auf der Spitze des Lions Heads und war stolz dass ich ganz alleine einen weiteren Neuanfang gestartet habe.

Ich saß am Rande des Okavango Deltas umgeben vom Zirpen der Grillen und bewunderte das Gewitter am Horizont.

Ich pflanzte zusammen mit Schulkindern Bäume in Zambia und tamzte Barfuß ums Lagerfeuer.

Ich ran meinen ersten (und einzigen) Marathon.

Ich stand zusammen mit meiner besseren Hälfte am endlos weißem, langen Sandstrand irgendwo bei Mosambik ganz alleine und beobachtete Delfine die sich bei Sonnenuntergang in den Wellen tummelten.

Habt ihr Momente, an die ihr euch erinnert, in denen euer Herz weh tat und sich die Kehle zu schnürte weil ihr so glücklich und dankbar wart?

10 Jahre Reisen machten mich ganz langsam zu dem, was ich heute bin. Nie würde ich mein Leben eintauschen.

Es geht immer weiter und die Zeit bleibt nie stehen. Ich bin gespannt, wo ich in 10 Jahren sein werde. Ich habe absolut keine Ahnung. Ich hoffe, euch geht es auch so. So sehr einem die Ungewissheit Angst macht, so sehr macht sie auch frei.

Never stop exploring.

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