KZN – das wohl wirklich sonnigste Ende Südafrikas

Ich war dezent empört. Als wir in Durban ankamen, rühmte sich die Stadt damit, dass sie die sonnigste von allen hier in Südafrika sei. Wie frech dachte ich. Woher wollen die denn das wissen. Aber nach einem 12 tägigen Roadtrip durch KZN kann ich euch sagen: das ist wirklich das wohl sonnigste Ende Südafrikas!

Ich begann meinen Roadtrip ganz klassisch und brach erstmal in die Flugzeug toilette. Begleitet von schweren magenkrämpfen war dann auch unsere erste Station nach der Autovermietung ein Arzt. Urlaub hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.

Ich tat der Ärztin so leid, dass sie mir gleich eine ganze Apotheke verschrieb, was dann auch nur etwa einen Tag später half.

Diese Reise war mein erster richtiger Urlaub außerhalb des Western Capes, und auch nicht in Deutschland, seit JAHREN. Ich war apathisch vor Vorfreude und konnte es kaum glauben, dass es nun dann auch wirklich richtig losging. Unsere Stationen waren alle ausgesuchte kleine Hotels und Unterkünfte im 4 und 5 Sterne Bereich und wir konnten also auf den folgenden 12 Tagen ganz unverhohlen so tun, als hätten wir richtig, richtig Kohle.
Unsere Reise führte uns vorbei an St Lucia, weiter über Thonga nach Kosi Bay, zurück und hoch in Richtung Pongola und zum Ende hin in Richtung Hluhluwe Park und dann Durban.
Kennt hier jemand Vox Tours? Lief jahrelang immer Sonntags auf Vox und hat mich von klein auf an beeinflusst. Vox Tours ist eine Reisesendung indem die Moderatorin Judith immer von irgendeiner Karibik Insel aus moderierte und die kleinen Kurzfilme über das jeweilige Land dann dazu dienten, näher die jeweilige Destination zu erklären. Glaubt mir – SIE WAR ÜBERALL. Was für ein Traumjob! Allerdings nicht ihrer. Sie musste ja immer gut aussehen und Texte lernen. Nein, nein, ich meinte den von dem Kameramann. Der konnte ja bei all diesen Reisen den ganzen Tag in Jogginghose rum laufen, musste rein gar nichts auswendig lernen, wurde fast nie im Fernsehen gezeigt und das einzige was er machen musste war halt die Kamera halten. TRAUMJOB! Mein erster Traumberuf war wirklich nur basierend auf dieser Serie also Kamerafrau. Ich hatte dann auch tatsächlich einen Ausbildungstest vor vielen Jahren bei einem Fernsehsender, der mich leider sehr schnell zurück in die Realität holte, da der Test aus gefühlten 100 Seiten Mathe, Chemie und Physik Aufgaben bestand…. Nun gut. Im Endeffekt hab ich ja doch mein Zie, für den Job zu reisen, mehr oder weniger erreicht – auch ohne Kameraausbildung. Auf jeden Fall kann ich mich an eine Folge erinnern, die über den östlichsten Küstenzipfel von Südafrika berichtete – fast bei Mosambik – wo man Wale vom Meer aus beobachten konnte und die Landzunge so dünn ist, dass nur ein weiter, einsamer, weißer Sandstrand den riesigen Süßwassersee vom Meer trennt. Alles ist grün, kaum Menschen und prinzipiell war es für mich das Paradies auf Erden und seither auf meiner Bucket liste (also seit mindestens 15 Jahren!!)
Ich realisierte erst, dass ich endlich da war, wo ich seit ca. 15 Jahren hin wollte, als es schon fast zu spät war, und zwar als wir auf dem See selber rumschipperten und ich die dünne sehr grüne Landzunge sehen konnte während unser Guide von dem Strand dahinter berichtete. Erst da fiel mir auf, dass ich angekommen war.
Wir checkten ein wenig zu spät aus unserer vorherigen Traum Lodge aus und mussten am Folgetag ein wenig zu weit fahren um den Strand mit dem See zu verbinden, aber das machte mir nichts – den unberührten Sandstrand sah ich nämlich am Tag zuvor.
Wir residierten dort in dem Honeymoon Deluxe Sea View Zimmer – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen – und schnappten uns zum Sonnenuntergang ganz klassisch Bierdosen aus der Minibar und liefen am Strand entlang zu einer Düne. Von dort aus hatten wir den allerschönsten Blick auf das endlose Meer, den weiten unberührten Sandstrand und eine Ganze Delfinschule, die direkt vor der Küste in den Wellen surfte. Abends sahen wir uns den gigantischen Sternen Himmel an und ich schlief zum Geräusch der Wellen, die sich am Strand brachen ein, nur um morgens von dem wohl schönsten Sonnenaufgang auf dem Meer, inklusive Wal-Wasserfontänen am Horizont geweckt zu werden. Das ganze konnte ich von meinem Honeymoon Deluxe Sea View Zimmer Balkon aus im Bademantel beobachten …. ist das nicht der Knaller?  Ich war nur selten dankbarer als an diesem Ort und an diesem Tag!
Das einzige was unsere Happy-Couple Deluxe Sea View Romanze störte waren die Europäischen Familien. Irgendwie hatte ich mir MAL WIEDER die falsche Reisezeit ausgesucht und so reisten wir zusammen mit gefühlten tausenden von Familien die Küste rauf und runter. Und WAS für Familien. Die Holländer schienen eindeutig Urlaub zu haben und so bestanden die Familien nicht nur aus 2 Erwachsenen und einem Kind, sondern mindestens 2 Erwachsenen und DREI Kindern, die alle den ganzen Tag lang um uns herumwuselten, zusammen mit der Summe von anderen Kindern aus den ganzen anderen Familien.
Versteht mich nicht falsch – ich habe den tiefsten Respekt für Familien die mit so vielen Kindern – oder auch nur eines, von Europa den langen Flug auf sich nehmen, nur um ihren Badeurlaub nicht auf Mallorca sondern in Südafrika zu verbringen… Aber mich persönlich, eine End-20ger Dame, deren größter Wunsch derzeit eine Hundeschule ist, störte die Anwesenheit so vieler kleiner Menschen, meine Ruhe- und Auszeit.
So saßen wir also bei Kosi Bay, dem besagten Traumort von mir, mit 2 Familien und insgesamt FÜNF Kindern auf einem kleinen Boot und schipperten die Seenplatte rauf und runter. Ich hatte mir das Seenplatten rauf und runter schippern halt romantischer vorgestellt. Egal. Versteckt hinter meiner sehr großen Sonnenbrille sah man mir meinen Gesichtsausdruck fast gar nicht an, und wir machten das Beste draus – und fuhren eben nicht mit all den Kindern am Ende an den Strand. sondern beendeten die Tour ein wenig vorzeitiger. Vox Tours hätte mich damals ruhig mal vorwarnen können!!
Wir gleichten das ganze Unverhältnis relativ schnell wieder aus, indem wir Tontauben schießen gingen in der folgenden Lodge. Ganz alleine – ohne Kinder. Nur wir, Tontauben, unsere Shotgun und ein Hund der am liebsten jede einzige Tontaube selber gejagt hätte. An dem Abend residierten wir auf der Spitze eines Berges bei Pongola und aßen im sehr kolonialen Stil in einem alten Gutshaus. Gleich nebenan bot die ausgesuchte Bibliothek einiges an Gute-Nacht Lektüre an, meist Jagdbücher auf Englisch und Deutsch. Riesige Bilder mit erschossenen Hippos und ausgestopfte Antilopen köpfe prangten an den Wänden und an diesem Abend bat mein Freund mich einige Male, nach ihm in der Küche zu suchen, falls er von einem Toiletten Gang nicht zurück kommen sollte. Weil seine Hautfarbe sehr in Kontrast zu dem kolonialen Stil stand und die einzigen Herren, die nicht volleuropäisch aussahen, eben in der Küche am Herd standen. Das ganze war schon sehr eigenwilig, aber versetzte halt auch einen jeden Gast in eine komplett andere Zeit. Am Tisch wurde sogar zünftig Deutsch gesprochen und ich saß mit meinem +1 ein wenig fernab in unserer Englischen Ecke.
Ein anderes Markenzeichen dieser Unterkunft war der gigantische Reiterhof, den wir natürlich auch nutzen mussten und am folgenden Morgen einen Ausritt mit machten.
Das letzte Mal reiten war ich in der Schule – auf unserem Schüleraustausch nach Bordeaux und ich war fernab von allen anderen der Gruppe weil mein Pferd halt lieber grasen und querfeldein laufen wollte. Pferde und ich haben einfach kein gutes Verhältnis. Egal. Die Lodge war beruehmt fuer reiten, also mussten wir es ausprobieren. Das ganze ging eigentlich ganz gut und mein Pferd hatte dieses mal zwar auvh kein Bock und tanzte oft aus der Reihe, aber wenigstens war ich zur Abwechslung mal nicht die letzte. Uns folgte ein Strauß fuer einige Zeit und wir ritten vorbei an kleinen Antilopen und Wilderbeest Gruppen – Natur pur.
Nach soviel Wildnis schockte uns die Großstadt Durban erstmal. Wir wohnten auf der Durban Version der Kapstaedter Kloof, Leipziger Karli oder Berliner Kreuzberg und hatten dementsprechend die Qual der Wahl was unsere Dinner optionen anging. Gleich neben unserem noblen Hotel war KFC und daneben ein Stripclub der bezeichnend Sin-derella (sin heisst Sünde hab ich aber auch erst beim zweiten mal hinschauen verstanden…).
Hattet ihr schon immer mal den Wunsch verspürt in einem sündhaft teuren hotel im bademantel auf dem Bett KFC zu essen und irgendwelchen Schund im Fernsehen zu schauen? Nein? Ich schon! Und genau das taten wir dann auch an unserem letzten Abend. Unser ganzes Geld hatten wir ja eh in den vorherigen Tagen Wildnis verprasst.
Durban ist ebenfalls eine Stadt bei der uns empfohlen wurde, :nicht länger als einen halben Tag zu bleiben. Aber da wir ja das Abenteuer lieben hielten wir uns natürlich nicht dran und blieben ganze zwei einhalb Tage. Durban ist die Stadt mit der höchsten Indischen Einwohnerzahl ausserhalb von Indien. Dementsprechend wird Indisches Essen hier auch ganz gross geschrieben und es gibt eine Mahlzeit die man hier nicht verpassen darf: BUNNY CHOW. Bunny chow ist quasi die Südafrikanische Version eines Döner. Keiner in Indien kennts aber es wird gesagt dass das Bunny Chow typisch indisch ist und DIE Spezialität in Südafrika. Eins sag ich euch. WENN ihr euch zu einem Bunny Chow durchringt – Moment. Was ist denn nun eigentlich ein Bunny Chow? Ein Bunny Chow ist ein Toastbrot – in der Hälfte zerschnitten oder ein Viertel zerschnitten. Dann ist dieses Toastbrot einfach komplett mit einem scharfen oder sehr scharfem Curry gefüllt – Beef, Lamb oder Prawn – alles ist möglich. SUPER lecker. Also. WENN ihr euch zu einem Bunny Chow durchringt – bitte nur in Durban. Genauso wie ihr die beste Currywurst in Berlin bekommt. Fakt.
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Das weltbekannte Fußballstadion in Durban

Das waren also meine 12 Tage Urlaub. zu schnell vorbei, dafür aber viel erlebt und eine wunderbare Zeit gehabt im wohl wirklich sonnigsten Ende vom schönen Südafrika. Definitiv eine Reise wert.
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Ein Meeting mit Elefanten in KZN – hoffentlich bald wieder

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